1919
S. Fischer/Verlag/Berlin
Nicht da nicht dort
Zweite veränderte Auflage
(Drittes bis viertes Tausend)
Alle Rechte vorbehalten
Traum des achthundertachtundachzigsten Nachtredakteurs
Krasser Fall von Soldatenmißhandlung
Ich protestiere feierlich gegen die unerhörtkurzfristige Prophezeiung des genialenDandy Ovid: „Vivet Maeonides, Tenedos dumstabit et Ida, dum rapidas Simois in mare volvetaquas.“ Als ob Homer diese lausigen, durch dasnächstfällige Erdbeben gehandikapten Örtlichkeitennicht um Äonen überleben würde!
Ich protestiere ferner gegen die tolle Verdrehungmeines zynischen Freundes Lukian,Homer sei während des Trojanischen Krieges(1193-1184 v. Chr.) Dromedar in Baktriengewesen. Wahr ist vielmehr das Trottelwortarchaischer Pädagogen: „Sieben Städte strittensich um die Ehre, Homer geboren zu haben:Smyrna, Rhodos, Kolophon, Salamis, Chios,Skyros, Athenai.“
Warum sich aber die diversen Stadtväterso hartnäckig stritten, erfährt die leichtgläubigbetrogene Nachwelt allerdings erst durch diesenFilm.
Homer dichtet die Ilias und die Odyssee; deralte Mann geht vor seinem Zelte skandierendund die Leier schlagend auf und nieder.
Landgut des Odysseus: Homer trägt seinemKönig einiges vor. Odysseus läßt dem Sängerdurch Sklaven einen Becher Wein reichen undein Ehrengeschenk übergeben: eine milchstrotzendeKuh. Homer dankt freudig für die wandelndeGabe, läßt sie durch einen Sklaven heimführen,trinkt und erklärt stolz, weinbesessen,kein Wesen hätte die Gabe mehr verdient alser. Und auf eine Statue des Phoibos Apollondeutend, versichert er, selbst dieser Gott hättenicht besser, höchstens ebensogut dichten könnenwie er. Denn Apollon sei nur ein Stämmlingdes amusischen Zeus, er aber habe die Dichtkunstgeerbt, ihn hätten Sänger, Phemios mitDemodokos, gezeugt.
Auf dem Olymp, von ca. neun Musen umtanzt,hört Phoibos Apollon diese frevle Selbstanzeigedes Dichters und stürmt durch denweißen Bergnebel nach Ithaka: über die Schulternden Bogen gelegt und den Köcher volltosender Pfeile.