Max Herrmann

Empörung + Andacht
Ewigkeit

Kurt Wolff Verlag • Leipzig

Bücherei „Der jüngste Tag“ Band 49
Gedruckt bei Dietsch & Brückner in Weimar

Erkenntnis ist ein Wald von Schnee

Erkenntnis ist ein Wald von Schnee um meine Stirn.

Ich stehe still. Tatkraft zerbricht unter der Last.

Zermalmter Zweig. Bin ich für immer ungebetner Gast

und muß ein Leben lang von fremder Tür zu fremder Türe irrn?

Im Sonnenaufgang stirbt mein Stern. Ein See

von blauer Seele gibt sich einem Berg verkrümmten Dunkels hin.

Ich weine selbstgefälliges Mitleid. Ängste mich nach einem Sinn,

der leuchtend leitet durch den endlos aufgetürmten Wald von Schnee.

Ich halte meine Hände unbewußt wie zum Gebet

für einen fremden Mann, für eine fremde Frau.

Ich zwinge mich zur Lust . . . zum Ernst . . . und ich verblasse grau

ein wesenloser Schatten, der von seinem lang schon toten Herrn in wesenloser Zwietracht geht . . .

Denn Liebe wird Verleumdung. Zweikampf prallt aus Glück.

Kein Leichtsinn singt Verlorenes zurück.

Dies starb: Frommsein, voll Heiterkeit, in allem ohne Sünde wider dich und mich.

Jeder fühlt bei jedem Schritt im Herzen der einen unvergeßlichen Sekunde Messerstich.

Immanuel leidet in der großen Stadt

In die große Stadt mochte Gott nicht mit mir gehen:

er hat mich bis an die Grenze gebracht; am Kreuz mit dem goldbeschriebenen Stein,

das ihm mein Vater auf unserm Felde weihte, blieb er plötzlich stehen,

gab mir noch ein Lied seiner Augen zum Geleite, schwand ins Geriesel der Silberpappel und ließ mich

allein. — — —

Aber hier ist immer ein Flackern auf Tennisplätzen,

kommt immer abends aus Gartenbühnen der Stimmen Sturz;

Hunde (ach mein sehr geliebter Wolf daheim!) nicht mehr als einer Tapete Fetzen

unbeachtet vorbeigeweht, und jedes Bild und Zeichen so herzzerreißend kurz!

Willst du dich einem hingeben, steigt vom andern

schon der Schein herauf und leuchtet und blitzt — und zerstiebt . . .

Tausend Gesichter hat meine Stube, immer entblößt sich eine neue Scham, und ich muß ewig wandern,

o warum verließ mich Gott, der die Dinge deutlich machte, daß er jede Geste mit ihrer eignen Güte

nahm und festhält und unverlierbar liebt!

Letzter Notschrei

Alle Dinge tun

meinem Kopfe weh:

Klappern am Buffet

und des Ventilators Lärm-Taifun.

Wie die Zeitung schmal

ist und allzu klein:

wär’ so gern allein

hinter einer Larve im Lokal!

Essender Geschmatz,

Winke, mir geschickt,

...

BU KİTABI OKUMAK İÇİN ÜYE OLUN VEYA GİRİŞ YAPIN!


Sitemize Üyelik ÜCRETSİZDİR!